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Equalizer: Boosten oder Cutten?

Viele von Euch haben sicher sehr oft gehört, man solle vorrangig subtraktives Equalizing anwenden (also cutten). Oft wird gelehrt, dass man so eine höhere Audioqualität erreichen könne und weniger Artefakte erzeugen würde. Mit größeren EQ-Boosts geht immer eine gewisse frequenzabhängige Phasenverschiebung einher, welche den Klang potentiell verschlechtern könne. Doch warum gibt es dann diverse Vintage EQs, mit denen man Boosts von bis zu 20db durchführen kann und braucht das überhaupt irgendeine Aufnahme dieser Welt?

Gehen wir der Sache mal auf den Grund!

Wann sollte ich mit dem Equalizer Cutten? (Subtraktiver EQ)

Low Cut und High Cut

Ein Lowcut bei 80hz wie es z.B. bei Vocals üblich ist.
Lowcut bei 80hz


Es gibt 2 Regler, die an keinem professionellem Mischpult fehlen sollten: Low Cut und High Cut bzw. High Pass und Low Pass – und das aus gutem Grund: Hin und wieder befinden sich in den untersten und obersten Frequenzbereichen Störgeräusche wie Rumpeln oder Rauschen, die an sich kaum hörbar sind, aber in Ihrer Summe über viele Spuren den gesamten Mix matschig und undefiniert klingen lassen können. Sie dienen also dazu Signalanteile zu filtern, welche für den Mix keine Bedeutung haben und zum Klang des Instruments/Stimme nichts beitragen.

Mein Tipp: Probiert auf jeder Spur diese Filter als erste Bearbeitung im Channel Strip aus und hört wie es sich auf den gesamten Mixkontext auswirkt. Experimentiert mit der Flankensteilheit (6db-24db) und Resonanzeinstellungen herum und achtet darauf, wie sich dies auf den Klang auswirkt. Wichtig ist nur, dass nichts vom Nutzsignal bzw. von dem was man im Mix hören möchte abgeschnitten wird.

Im besten Falle verbessern gut eingesetzte Low Cuts den Punch und Definition im Bass und können sogar bei Kick und auch Bass eingesetzt werden. Gut eingesetzte High Cuts machen Platz in den Höhen und lassen andere Tracks (Vocals, Cymbals), denen es vorher an Glanz gefehlt hat plötzlich viel seidiger oder auch höhenreicher erscheinen.

Notch-Filter bei Störfrequenzen oder Raumresonanzen

Links zu sehen ein Notchfilter zum Entfernen eines Störgeräusches und rechts ein Bellfilter zum Ausgleichen einer Raumresonanz.
Notch- und Bellfilter


Ein weiterer wichtiger Einsatz für subtraktiven EQ ist das filtern von Störgeräuschen oder entfernen von Raumresonanzen. Wenn also ein Brummen oder Fiepen im Nutzband ist führt nichts daran vorbei die Frequenz zu finden und dann so schmalbandig wie möglich abzusenken. Dafür wird entweder das Band solo geschalten oder mit hohen Boost und Q Werten durch die Bänder gesweeped.

Leider hat man bei Aufnahmen in akustisch nicht optimierten Homestudios oft Überbetonungen in gewissen Frequenzbereichen durch Raumresonanzen. Hier empfiehlt es sich etwas breitbandiger bei den störenden Frequenzbereichen abzusenken, dafür aber maximal 1-3db. Wenn man stärker absenken muss verändert sich der Charakter des Instruments zu stark und man sollte das Problem lieber bei der Aufnahme beseitigen.

Wann sollte man NICHT mit dem Equalizer cutten?

Oft wird gelehrt man solle generell nur Cutten – auch wenn man eigentlich will, dass dadurch andere Frequenzbereiche mehr hervortreten bzw. lauter erscheinen. Dieses Konzept macht jedoch in der Praxis keinen Sinn: Warum soll ich Bereiche meines Signals ausdünnen um andere fetter klingen zu lassen, wenn ich vorher mit diesen doch zufrieden war und sie den Charakter meines Signals ausmachen? Cutten kann in hohen Dosen nur folgendes bewirken: Dünner, dumpfer, unnatürlicher und gescoopter Sound. Boosten kann hingegen auch in höheren Dosen mit einem guten EQ das bewirken, was man damit bezweckt – fetter, wärmer, definierter, seidiger, präsenter…

Zusammengefasst kann ich sagen:

Traut euch ruhig zu boosten! Wenn es der Track verlangt gerne mal bis zu 8db und mehr. Viele Profis machen reichlich Höhen und Bass Anhebungen mit dem EQ. In den Mitten ist immer etwas Vorsicht geboten, da man hier den Charakter des Instruments sehr stark verändern kann. Hier heißt es also: Gehör bilden und vergleichen wie Instrumente bei professionellen Aufnahmen gemischt wurden! Die wichtigsten subtraktiven EQ-Aufgaben sind High- und Low Cut. Sie sollten am Anfang jedes Kanals sitzen und den Nutzbereich des Instruments eingrenzen. Vorher würde ich wenn gewünscht höchstens eine Preamp Simulation oder Saturation einsetzen.

Welche Erfahrungen habt Ihr beim Equalizing gemacht? Seid Ihr eher Booster oder Cutter? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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