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Motu M4 Review

Nach langem Suchen und vielen Tests habe ich nun endlich ein neues mobiles Interface gefunden, welches all meinen Ansprüchen an Klang und Qualität gerecht wird und einen unglaublich guten Preis hat – wilkommen zu meinem Motu M4 Review.

Optik und Verarbeitung

Zunächst soll erwähnt sein, dass ich auf meiner Suche diverse Interfaces von namhaften Herstellern wie Apogee und anderen getestet hatte und leider immer in gewissen Punkten enttäuscht wurde. Zum einen von der Qualität, die zum Preis geboten wurde und zum anderen von Mängeln wie Störgeräuschen oder diversen Defekten an Reglern und Störungen im Betrieb. Auch von der Klangqualität war ich nie so überzeugt, dass es einen Preis von über 500€ für 2 Kanäle rechtfertigen konnte, so dass ich meiner Mbox Pro weiter treu blieb.

Dementsprechend niedrig waren meine Erwartungen an das Motu M4. Da sich die Spezifikationen aber sehr gut gelesen haben, gab ich der kleinen Box eine Chance – zum Glück. Alleine das stabile Metallgehäuse vermittelt eine Qualität, die ich bisher nur aus deutlich teureren Geräten kannte. Die Potis sitzen bombenfest im Gehäuse und haben einen schönen Widerstand. Alles fühlt sich hochwertig an und das Interface ist im edlen schwarzen Look auch sehr schön auf dem Studiotisch anzuschauen.

In Puncto Optik und Verarbeitung ist das Motu also deutlich besser, als zu diesem Preis erwartet – große Klasse.

Plug & Play

Die Inbetriebnahme auf dem Mac könnte einfacher nicht sein. Durch die USB Class Compliance kann man das M4 einfach an einen beliebigen USB 2.0 Anschluss stecken und es ist sofort in den Systemeinstellungen so wie in der DAW verfügbar. Für die niedrigst mögliche Latenz stellt Motu noch einen extra Treiber zum Download bereit, den man aber nicht zwingend braucht. Unter Windows lädt man sich zunächst den Treiber herunter und kann das Interface danach wie gewohnt nutzen.

Zur Latenz und Stabilität kann ich bisher nur Positives sagen. Man kann ein Moitoring über die DAW mit diversen Plugins ohne Probleme durchführen und sich dabei nahezu verzögerungsfrei hören. Aussetzer oder Störgeräusche sind nicht vorhanden. Die Stabilität im Betrieb ist wirklich vorbildlich. Mein System ist ein Mac Pro 2,1 mit OSX 10.11.6. Mit Pro Tools, Logic und auch der Akai MPC Software läuft das M4 einwandfrei. Also wage ich zu sagen es verträgt sich mit allen geläufigen DAW`s.

Technische Infos

Ein- und Ausgänge

Das M4 vefügt über 4 Analoge Eingänge von denen 2 Mic und Instrumenten Preamps haben und 2 als Lineeingänge genutzt werden können. Ausgansseitig gibt es ein Stereo Monitor Out, welcher sich über den großen Poti auf der Front regulieren lässt. Außerdem gibt es noch zwei weitere Lineausgänge und einen regelbaren Kopfhörerverstärker. Aufnehmen und Wiedergeben kann man Sampleraten bis zu 192khz.

Spezifikationen/Audiowerte

Connector typeDynamic range (A-weighted)THD+N (unweighted)Max level
Line Output1/4″ TRS, balanced, tip hot120dB-110dB+16dBu
Line Input1/4″ TRS, bal/unbal, tip hot115dB-106dB+18dBu (at minimum gain)
Mic inputXLR, balanced, pin 2 hot115dB-129dBu EIN+10dBu (at minimum gain)
Phones1/4″, TRS stereo115dB-110dB+12.5dBu

Entnommen von https://motu.com/en-us/products/m-series/m4/specs/

Diese Audiowerte sind absolute Spitzenklasse und konkurrieren mit deutlich teureren Geräten wie z.B. dem Apogee Duet. Ob es sich auch dementsprechend auf die subjektive Klangqualität auswirkt erfahrt Ihr im Hör- und Praxistest im nächsten Punkt.

Klangqualität

Ich werde versuchen die Klangqualität so objektiv wie möglich zu bewerten, auch wenn soetwas immer höchst subjektiv ist.

Monitorausgänge / Wiedergabequaltität

Wie die 120dB Dynamikumfang der DA-Wandler schon vermuten lassen ist die Wiedergabequalität sehr hoch. Der Sound über meine Focal Alpha 65 Aktivlautsprecher ist neutral und offen. Alles klingt sehr natürlich. Transienten und Impulse werden weder überbetont, noch verschmiert dargestellt. Der Frequenzgang ist ausgewogen. Ich würde aber definitiv nicht von Schönfärberei sprechen – trotzdem fällt die hohe Qualität und Auflösung auf, die man einfach hören kann. Mischungen, die noch nicht fertig oder perfekt sind, werden über dieses Gerät auch nicht gut klingen und das empfinde ich als äußerst positiv. So lässt sich nämlich sehr gut und ehrlich damit Abmischen und Mastern.

Bei Apogee Interfaces konnte ich mir nie sicher sein, ob der Song noch zu roh klingt oder schon overprocessed ist, da dort in meinen Ohren eine Schönfärbung in den hohen Frequenzen stattfindet. Bei meiner Mbox Pro war zwar ebenfalls eine neutrale Wiedergabe möglich, allerdings fehlte dort die tolle Auflösung der hohen Frequenzen, so dass diese etwas schwerer abzuschätzen waren. Meine ersten Mischungen mit dem M4 übersetzen sehr gut auf andere Wiedergabesysteme wie Autos, Hifi Kopfhörer und Bluetooth Boxen, was ich bei meinen bisherigen Interfaces nicht immer hundertprozentig sagen konnte. Der Kopfhörerausgang hat ordentlich Power und ebenfalls sehr neutralen Sound mit genug Bass. Er verstärkt problemlos meine Sony MDR 7506 und AKG K701.

Aufnahmequalität und Preamps

Zum generellen Klangcharakter der AD Wandlung: Beim Aufnehmen gilt das gleiche wie für die Wiedergabe – sehr natürlicher, offener und neutraler Klang. Was aber fast noch wichtiger bei der Arbeit mit Mikrofonen ist, sind die Preamps und diese klingen wirklich sehr gut und sind kräftig für ein Audiointerface dieser Preisklasse. Die Verstärkung geht ohne große Färbung oder Verzerrungen vonstatten. Das Rauschen ist geringer als bei allen Interfaces, die ich getestet habe und fast so gering wie bei der Mbox Pro, welche aber nicht annähernd an die Klangqualität und Transparenz des Motu M4 herankommt. Ich würde den Klang schon fast als Crisp bezeichnen, also von dumpf oder leblos ist da keine Spur. In Kombination mit den guten Wandlern bekommt man hier auch ohne externen Preamp ein qualitativ hochwertiges Signal in die DAW, welches sich gut nachbearbeiten lässt. Man muss ja Preamps in Zeiten von 24 Bit auch nicht mehr bis aufs letzte ausreitzen. Hier sind noch zwei kurze Sprachaufnahmen mit 2 verschiedenen Mikrofontypen durch die internen Preamps als Klangbeispiele:

Sprachaufnahme mit dem SE Electronics Gemini G3500 und dem Motu M4.
Sprachaufnahme mit dem Shure Sm7b und dem Motu M4.

Man hört selbst beim Sm7b, welches eines der leisesten Mikrofone ist kaum ein Rauschen, somit erledigen die Preamps sehr gute Arbeit. Die Aufnahmen wurden nicht nachbearbeitet, lediglich normalisiert und mithilfe des Waves L1 auf 16 Bit gedithered und dann in 44,1khz exportiert.

Fazit zum Motu M4 USB 2.0 Audiointerface

Für gerade mal 259€ hat man mit dem Motu M4 wahrscheinlich das maximal Mögliche an Klangqualität in einem unglaublich hochwertigen Metallgehäuse mit soliden Potis. Zwar wird hier auf viele Dinge verzichtet, die bei Motu sonst Standard sind wie z.B. DSP Mixer, Effekte, Digital I/O, AVB Fähigkeit, aber dafür wird man mit 4 hervorragenden Ein- und Ausgängen sowie sehr gutem Kopfhörerverstärker belohnt. Für alle die größtenteils „in the box“ produzieren und mischen und einen einigermaßen dezenten Computer besitzen kann ich dieses Interface uneingeschränkt empfehlen, auch weit über die Preisklasse hinaus. Ich wage nicht zu sagen es ist das beste Interface in dieser Preisklasse, weil ich nicht alle getestet habe, aber da es besser als einige teurere Geräte performte gehe ich davon aus, dass es schwer zu toppen ist von anderen Interfaces unter 300€.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle, denen die Features und I/O reichen und nein ich bekomme kein Geld von Motu für diese Produktempfehlung.

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