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Equipment Mastering Mixing Recording

Apogee Duet 3 Review & Sound Test

Das beste Audio Interface für Apple M1?

Auf der Suche nach einem Ersatz für das RME Babyface Pro FS, welches mich vom Sound nie zu 100% überzeugen konnte freute ich mich sehr über die Ankündigung des Apogee Duet 3.

Nach anfänglichem Zögern habe ich es mir vor Kurzem bestellt und bin von der Klangqualität mehr als begeistert. Sowohl die Preamps und A/D Wandlung als auch die D/A Wandlung und der Kopfhörerverstärker sind klanglich das Beste, was ich je hatte. Das Apogee Duet 3 funktioniert reibungslos mit meinem Macbook Pro 13″ M1.

Eingänge – A/D Wandlung

Die 2 Eingänge, die sowohl Line/Inst/Mic Eingänge mit bis zu 60DB Gain sind, kann man als überaus sauber bezeichnen. Der Sound erreicht den Computer in einer Reinheit, die ich vorher nie für möglich gehalten habe – und das über USB-Buspower. Die Aufnahmen klingen Pur, ungefärbt und einfach zu 100% wie die Klangquelle und das jeweilige Mikrofon/Instrument.

Ausgänge – D/A Wandlung

Das Duet 3 verfügt über 4 Ausgänge: Ein Stereo Line Out und einen Stereo Kopfhörerausgang mit 0 OHM Impedanz. Für beide Ausgänge lassen sich separate Mischungen erstellen und die Lautstärke ist getrennt regelbar.

Der Sound ist auf allen Ausgängen wunderbar unangestrengt. Die Höhenauflösung ist sehr fein, jedoch ohne Überbetonung wie bei älteren Duets. Der Sound ist wie auf den Eingängen pur und neutral im besten Sinne. Abmischen ist eine Freude mit diesen Wandlern, jedoch brauchen die Aufnahmen mit dem Duet so gut wie keine Nachbearbeitung.

Um das ganze zu Demonstrieren zeige ich Euch folgenden Song. Die Vocals wurden mit den Preamps des Apogee Duet 3 aufgenommen und es ist keinerlei Nachbearbeitung außer Pegel und Panning erfolgt. Die Qualität spricht für sich:

Apogee Duet 3 Vocal Demo – No Processing (Mp3, 320kbps)

Fazit: Apogee Duet 3 vs RME Babyface Pro FS

Das wichtigste für mich bei einem Interface ist der Sound und hier hat Apogee alles richtig gemacht. Mehr muss man dazu wirklich nicht sagen. Die kompletten Features und Infos über den internen DSP Chip, mit dem ihr während der Aufnahme Plugins berechnen könnt findet Ihr auf der Herstellerseite. Bei soll es nur um das wichtigste gehen: den Sound.

Für mich ist es ein würdiger Nachfolger, welches mein Babyface Pro FS übertroffen hat! Gerne könnt Ihr Euch noch mein Video Review auf Youtube ansehen:

Apogee Duet 3 Review
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Mixing Recording

Poplaute entfernen in Pro Tools – Rap und Gesang editieren

Ihr habt das Take Eures Lebens aufgenommen und stellt beim Anhören fest, dass ein unschönes Störgeräusch bei dem einen oder anderen Plosivlaut auftritt (P´s oder K`s)?

Keine Sorge! Ich zeige dir wie Du das reparierst! Schau dir gerne das Video Tutorial an oder lies einfach unten weiter!

Tutorial zum Raparieren von Poplauten

Kurze Zusammenfassung: Wie repariert man Poplaute auf Gesangsaufnahmen?

Zunächst suchst Du dir die Stellen in der Wellenform heraus, bei denen die Übersteuerungen durch Popplaute auftreten. Meist sieht man das bereits anhand der Wellenform – Ansonsten ist es meist sehr deutlich hörbar.

Plosivlaut
Wellenform eines Plosivlauts

Danach selektierst Du die kleine Stelle der Aufnahme, wo das Störgeräusch auftritt.

Jetzt nimmst Du einen Standard Equalizer deiner Wahl und wendest einen Low Cut mit 24dB/Okt bei ca. 60 HZ auf diesen ausgewählten Teil deiner Wellenform an. Das funktioniert in Pro Tools mit Hilfe der Audiosuite Plugins, geht aber in sogut wie jeder DAW in ähnlicher Form. In Logic nennt sich das „Auswahlbasierte Verarbeitung„.

low-cut
Der Low Cut bei 60HZ wird nur auf die ausgewählte Stelle angewendet.

Nun sollte deine Aufnahme wieder sauber und klar klingen und Du kannst mit der normalen Bearbeitung fortfahren.

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Equipment Mixing Recording

Rap mit dem Shure SM7B Aufnehmen und Abmischen

Das beste Mikrofon für Rap?

Ihr besitzt ein Shure SM7B und wollt damit Rap aufnehmen? Ihr seit noch nicht mit dem Sound zufrieden oder wisst nicht genau wie Ihr den besten Sound aus dem Mikrofon holt?

Dann ist dieses Video genau das Richtige für Euch:

Im Video geb ich Euch ein paar Tips, wie Ihr Euch und das Mikrofon am besten im Raum platziert und zeige anschließend, wie Ihr nur mit einem Equalizer und einem Kompressor/Limiter das Signal deutlich aufwerten könnt.

Professionelle Rap Vocals in 7 Minuten – Viel Spaß beim anschauen.

Wie nutzt Ihr das Shure SM7B? Lasst es mich gern in den Kommentaren wissen.

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Equipment Mixing Recording

Der beste Equalizer

Gibt es so etwas wie einen nahezu perfekten Equalizer in der Tontechnik? Ein Gerät, welches den Frequenzgang, also den Klang einer Schallquelle so anpasst, dass es perfekt zum jeweiligen Song passt? Brauche ich dafür teure analoge Equalizer oder Plugins, Linear Phase oder Analyzer Funktionen?

Nun ja, es gibt sicher keinen perfekten Equalizer, aber es gibt einen, der alle anderen um Längen schlägt. Dieser ist komplett kostenlos und in so gut wie jedem Home- und Profistudio vielfälltig zu finden – Er nennt sich Mikrofon und Mikrofonpositionierung.

Wie kann ein Mikrofon der beste Equalizer sein?

Wie Du sicher weißt haben unteschiedliche Mikrofone und Mikrofontypen einen sehr unterschiedlichen Klang, der sich aus Frequenzgang, Richtcharateristik und dem Wandlerprinzip ergibt. Dies ist zum einen so gewollt und zum anderen auch gut so.

Die Folge daraus ist nämlich, dass es für so gut wie jede Anwendung ein Mikrofon gibt, welches bereits unbearbeitet eine gute Frequenzbalance und dynamische Ausgeglichenheit abliefern kann. Ein solches Ausgangssignal wird in jedem Fall hochwertiger sein als eines, welches erst mithilfe von starkem Equalizing den erwünschten Klang hat.

Selbstverständlich haben die wenigsten Homestudios eine riesige Sammlung unterschiedlichster Mikrofone und können nicht immer das 100% perfekte Mikrofon wählen, aber man kann sehr nah rankommen mit etwas Probierfreudigkeit.

Auch wenn man nicht über die teuersten Neumann Mikrofone und ultralineare Kleinmembran Kondensatormikrofone verfügt, haben die meisten sicher ein oder mehrere dynamische Mikrofone wie ein Shure SM57, SM58, SM7B oder Ähnliches und ein oder mehrere Großmembran Kondensatormikrofone. Vielleicht hat der ein oder andere auch ein günstiges Bändchenmikrofon oder ein paar Kleinmembraner für Stereoaufnahmen. Manche sind vielleicht sogar in Besitz eines schönen Röhrenmikrofons.

Wenn Ihr versucht Eure Mikrofone ein bisschen nach Klangfarbe- und Charakter zu kategorisieren, werdet Ihr sehen, dass jedes Mic seine Hauptanwendungsbereiche hat. Doch nicht in jeder Situation brauchst Du den gleichen Sound!

Beispiel an Vocals

Du bist in der Mixing Phase deines Songs und die Vocals fügen sich einfach nicht in den Mix ein. Du musst unglaublich viel Deessen und Höhen absenken, weil die Aufnahme zu hell und schrill klingt. Durch die ganze Bearbeitung verliert dein Signal an Natürlichkeit und passt nicht in den Mix.

Lösung 1: Mikrofonpositionierung

Führe Die Vocalaufnahme erneut durch und gehe etwas dichter ans Mikrofon für mehr Bass. Positioniere das Mikrofon so, dass es eher auf deinen Kiefer als auf deinen Mund zeigt, so werden mehr Brustresonanzen und weniger Mundgeräusche und S-Laute aufgenommen. Spreche nicht frontal ins Mikrofon sondern drehe oder winkele es leicht an. So machst Du dir die natürliche Höhenabsenkung des Mikrofons zu Nutzen.

Lösung 2: Mikrofonwahl

Wähle statt dem üblichen Großmembran Kondensatormikrofon ein dynamischens Mikrofon und gehe recht nah heran. Nutze einen Popfilter oder Windschutz für ein cleaneres Signal. Winkel das Mikrofon so an, dass Du die gewünschte Frequenzbalance erhältst. Du wirst erstaunt sein, welch gute Gesangsaufnahmen mit nur einem SM57 gemacht werden können.

Weitere sinnvolle Mikrofonarten wenn Aufnahmen zu agressiv in den Höhen klingen sind Bändchenmikrofone und GroßmembranRöhrenkondensatormikrofone. Doch auch lineare Kleinmembraner können durchaus in solchen Situationen funktionieren.

Fazit

Ziel der ganzen Überlegung ist es ein bestmögliches Ausgangssignal aufzunehmen, so dass es beim Mixing nicht zu Problemen kommen kann. Statt sich also auf seine analogen Equalizer oder Plugins zu verlassen muss zuerst das Optimum aus Mikfrofonwahl und Positionierung herausgeholt werden. Denn das sind die besten Equalizer, die jeder Tontechniker hat und sie sind auch noch kostenlos!

Also überlegt vor der nächsten Aufnahme zweimal welches Mikrofon den passendsten Klang für den jeweiligen Song und das jeweilige Instrument hat. Damit erspart Ihr Euch im besten Fall 70-80% Equalizing im Mix. Ich zum Beispiel versuche Vocals immer so aufzunehmen, dass ich kaum einen Equalizer mehr brauche.

Lasst mich wissen wie Ihr das Thema seht und welche Erfahrungen Ihr mit verschiedenen Mikrofonarten gemacht habt.

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Mixing Produktion Recording

Der Schlüssel zu einem guten und professionellen Mix

Wenn Leute mich fragen, was denn das Wichtigste sei, um einen guten Mix zu bekommen habe ich darauf eine recht einfache und logische Antwort. Trotzdem sehe ich immer wieder Producer und Engineers, welche diesen wichtigen Dingen leider zu wenig Beachtung schenken. Viele verlieren sich in den technischen Aspekten, benutzen unzählige Plugins um ihre Aufnahmen und Sounds zu verbessern, aber verlieren schnell die Perspektive und landen letztlich bei einem unnatürlichen und unhomogenen Sound, der den Song nicht optimal zur Geltung bringt.

Was ist denn nun der Schlüssel zu einem guten Mix?

Nun ja wenn Ihr mich fragt gibt es die folgende Punkte, ohne die ein guter Mix nicht zu Stande kommen kann.

1. Mache die bestmöglichen Aufnahmen

Auch wenn es simpel und logisch klingen mag: Die Aufnahme ist der wichtigste Schritt in der gesamten Musikproduktion. Punkt!

Nur wenn Du die bestmögliche Performance, im für dich bestmöglichen Raum, mit dem am besten passenden deiner Mikrofone auf die Festplatte bringst, wird dir der Mix leicht gelingen.

Gute Aufnahmen brauchen normalerweise weder Equalizer noch Compressor. Ich weiß, dass wir ein einer Welt leben, in der gerne mit Plugins gearbeitet wird und man davon soviele wie möglich einsetzen möchte, aber die Kunst ist es so aufzunehmen, dass keine Nachbearbeitung nötig ist.

Du wirst nicht glauben, wie dezent die Mixing Engineers bei professionellen Produktionen Plugins und Prozessoren einsetzen – Das liegt daran, dass sie erstklassiges Ausgangsmaterial haben, was sich teilweise von selbst mischt.

2. Wenn Du virtuelle Instrumente und Samples nutzt, investiere Zeit in die Soundauswahl und das Sounddesign

Die große Schwierigkeit bei der Arbeit mit Samples und virtuellen Instrumenten ist, dass diese Sounds meist keinen realistischen Raumklang und einen sehr trockenen Sound haben. Dies ist auch so gewollt, weil der Hersteller den Produzenten alle Möglichkeiten offen lassen möchte.

Wenn man aber nun beginnt verschiedene solcher Instrumente und Sounds zusammenzumischen, wird es in den seltensten Fällen einen homogenen Klang ergeben. Das liegt daran, dass Du sie nicht selbst aufnehmen konntest und sicher gehen konntest, dass sie zum Rest der Produktion passen werden.

Wenn Du solche Sounds dann mit realen akustischen Aufnahmen (Vocals, Gitarre, etc.) mischst ist die Diskrepanz noch größer. Meist wollen sich all diese Sounds aus verschiedensten Quellen einfach nicht ineinander überblenden lassen und das Gesamtbild klingt einfach nicht professionell.

Das einzige was dabei hilft, ist es von vornherein nur Sounds auszuwählen, welche 100% zum Song passen und nicht zu denken ich regele das später im Mix – denn so funktioniert es nicht.

Man kann Sounds manipulieren und aufpolieren, aber man kann keinen Haufen von Sounds, die nicht zusammenpassen und nicht realistisch klingen in einen professionellen Mix verwandeln.

Weitere Möglichkeiten sind die vorrangige Nutzung von selbst aufgenommenen Instrumenten oder z.B. das Aufnehmen der virtuellen Instrumente über deine Lautsprecher in deinem Raum. Das kann in vielen Fällen den gewünschten Hauch Realismus in den Sound zurückbringen.

3. Don´t fix it in the mix!

Wenn Du dich dabei erwischst auf diversen Spuren deiner Mischung unzählige Plugins zu verwenden um einen halbwegs akzeptablen Sound zu bekommen musst Du einen Schritt zurück gehen! Jedes Plugin, jeder Prozessor hat das Potential deinem Signal die Energie und die Emotion zu rauben.

Wenn Du 6 Plugins oder mehr auf einer Spur liegen hast, ist vom Ursprungssound kaum noch etwas übrig und Du solltest neu aufnehmen oder einen anderen Sound verwenden. Wenn Du so viel tun musst um den Sound zu erreichen, den Du willst, ist hundertprozentig etwas anderes falsch gelaufen.

Oft kann eine einfache Neuaufnahme oder das Austauschen einiger Sounds stundenlanges Bearbeiten der Spuren sparen.

Versuche also schon vor dem wirklichen Mixing zu erkennen welche Sounds ausgetauscht und welche Spuren neu aufgenommen werden sollten. Anders macht das Mixing keinen Sinn.

4. Hör dir gute Musiker in einem guten Raum an

Auch das mag auf den ersten Blick unwichtig scheinen, aber es ist essenziell!

Du kannst nicht wissen wie Musik klingen muss, wenn Du nie ein Orchester in einer Konzerthalle gehört hast.

Auch wenn es als Produzent elektronischer Musik unlogisch scheint kann es dort ebenfalls helfen die richtige Perspektive auf Musik und Klang im Generellen zu bekommen. Nur wer weiß wie Musik sich im Raum entfaltet und wie sich Klänge in Emotionen verwandeln können kann auch einen erstklassigen Mix abliefern.

Fazit

Du siehst also, dass viele Sachen, die für einen guten Mix erforderlich sind garnicht so technisch sind, sondern eher eine gewisse Geisteshaltung und die richtige Perspektive, sowie jede Menge Vorarbeit erfordern.

Im Homestudio, wo Du oft Künstler, Produzent und Mixing Engineer in Einem bist musst Du jedem dieser Bereiche volle Aufmerksamkeit (Recording, Produktion, Mixing) schenken und nicht Phase 1 und 2 überspringen, um dann alles beim Abmischen zu retten.

Ich wiederhole – so funktioniert es nicht. Wenn Du jedoch die besten Performances bestmöglich aufnimmst und die bestmöglichen Sounds nutzt, wird dir das Abmischen großen Spaß bringen und leicht fallen.

Denkt darüber nach, ob Ihr dem Recording und der Produktion genauso viel Aufmerksamkeit und Zeit schenkt wie dem Mixing – wenn nicht versucht Eure Balance zu finden und lasst mich in den Kommentaren wissen, ob es Eure Endresultate verbessert hat!

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Recording

Gesang zu Hause professionell aufnehmen

Eure Gesangsaufnahmen klingen zu dumpf, unnatürlich oder haben unangenehme Resonanzen und zu viel Raumklang eingefangen? Hier erfahrt Ihr, wie man auch zu Hause in akustisch nicht optimaler Umgebung in 3 Schritten einen professionellen Vocalsound hinbekommt.

Schritt 1: Geh singend durch deinen Raum

Jeder Raum hat einen Sweetspot, in dem sich deine Stimme/Instrument optimal entfalten kann. Eine Stelle, an der der Raum dich unterstützt, statt dir im Weg zu stehen. Diese Stelle kannst Du am einfachsten ohne Mikrofon und ohne Kopfhörer finden indem Du einfach durch den Raum gehst und dabei deinen Song singst.

Wie finde ich den Sweetspot meines Raums für Gesangsaufnahmen?

Erfahrungsgemäß ist diese Stelle oft in Nähe der Mitte des Raumes, weil man hier den größtmöglichen Abstand zu den Wänden hat. Hast Du die Stelle gefunden? Dann hol dein Mikrofon und stelle es so auf, dass Die Frontseite des Mikrofons auf die am weitesten entfernteste Wand zeigt. Optimalerweise ist an dieser Wand absorbierendes Material angebracht, damit minimale Reflektionen in die empfindliche Seite des Mikrofons gelangen können.

Brauche ich teure Absorber oder Diffusoren?

Du brauchst keine teuren Akustikelemente zu kaufen, selbst eine Couch, ein Bücherregal oder alles was harte Reflektionen unterbindet verbessert deine Aufnahmequalität. Auf keinen Fall solltest Du in einem Kleiderschrank oder in einem zu stark absorbierendem Raum/Kabine voller Noppenschaum aufnehmen, denn das macht den Klang deines Gesangs flach, dumpf und unnatürlich.

Schritt 2: Mikrofon Positionieren und der richtige Abstand zum Mikrofon

Durch Abstand, Höhe und Neigung kann man viele verschiedene Klangfarben erzielen.

Für Gesangsaufnahmen im Homestudio oder Wohnzimmer solltet Ihr ein Mikrofon mit Nierencharakteristik verwenden. Empfehlenswert sind Großmembran Kondensatormikrofone, aber auch dynamische Mikrofone wie z.B. ein Shure SM57 haben ihre Vorteile in akustisch schlechteren Umgebungen (erfordert jedoch meist mehr Nachbearbeitung).

Wie postitioniere ich ein Mikrofon im Homestudio für Gesangsangsaufnahmen?

Beginnen solltet Ihr mit dem Mikrofon bzw. der Mikrofonkapsel auf Höhe der oberen Lippe und einem Abstand zum Mikrofon von 15-20cm (bei dynamischen Mikrofonen etwas weniger). So solltet Ihr einen relativ ausgewogenen und vollen Klang erzielen, mit Artikulation und Natürlichkeit. Wenn der Klang noch nicht optimal ist oder nicht zum Song passt könnt Ihr ihn durch folgende Mikrofonpositionierungen beeinflussen:

Gesang klingt zu dünn?

Versuche das Mikrofon etwas tiefer zu positionieren, so dass es auf das Kinn zeigt. Dadurch nimmst Du mehr von deinen Brustresonanzen auf und weniger von der Artikulation deines Mundes. Auch kannst Du das Mikrofon auf Mundhöhe lassen und nach unten neigen, so dass es auf dein Kinn zeigt. Beides führt zu mehr Bass im Gesang.

Gesang klingt zu undefiniert oder etwas dumpf?

In diesem Falle solltest Du das Mikrofon höher positionieren – auf Augen- oder Nasenhöhe. Eine weitere Möglichkeit ist das Neigen des Mikrofons nach oben, so dass weniger Brustresonanzen aufgenommen werden.

Zu viel Raumklang auf der Aufnahme?

In diesem Fall hilft es etwas näher an das Mikrofon heranzugehen, da so das Verhältnis von Direktsignal zum Raum verbessert wird. Zu nah solltest Du jedoch nicht ans Mikrofon gehen, weil sonst eine starke Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt deinen Sound verfälscht. Dies kann man zwar mit EQ kompensieren, aber auch nur in einem gewissen Umfang.

Schritt 3: Der richtige Aufnahmepegel und Kopfhörermix

Leider sehe ich immer und immer wieder Aufnahmen, die einfach zu laut gemacht wurden, schon kurz vorm Clipping stehen oder bereits an einigen Stellen clippen. Dies hat oft den Grund, dass gegen ein viel zu lautes Instrumental angekäpft wird und der Preamp unnötig weit aufgedreht wird, damit der Künstler sich hören kann. Das ist auf keinen Fall nötig!

Wie stelle ich den Gain am Interface richtig ein?

Ziel ist es einen ordentlichen Headroom für das spätere Abmischen zu haben und niemals mit einem Pegel aufzunehmen, der über -6dBfs hinausgeht (lauteste Stelle). Der durchschnittliche Pegel sollte zwischen -12 und -18dBfs liegen. Wenn Ihr es zum Abhören lauter braucht macht Ihr das in eurer DAW oder Monitoringsoftware – nicht am Preamp eures Audiointerfaces. Wo wir auch schon beim Kopfhörermix wären:

Was muss ich beim Kopfhörermix beachten?

Ziel eines Kopfhörermix ist es, dass der Sänger sich wohlfühlt und so hört, dass er optimal performen kann. Wenn Ihr auf einem fertigen Instrumental oder verschiedenen Backingtracks aufnehmt, achtet auf das Gainstaging. Lasst genügend Headroom, so dass der Gesang sich durchsetzen kann ohne, dass Ihr den Preamp zu laut aufdrehen müsst. Also erst andere Spuren leiser machen, bevor Ihr zum Gain-Knob am Interface greift.

Wenn der Sänger zu zurückhaltend singt, mach seine Stimme etwas leiser, damit er sich etwas mehr anstregen muss und besser artikuliert. Bei Intonationsproblemen kann es helfen einen Hall auf die Stimme zu legen oder eine Seite der Kopfhörer nur halb aufzusetzen, so dass sich der Sänger im Raum mithört.

Nochmal alles zusammengefasst

  1. Sucht den Sweetspot in Eurem Raum, an dem sich die Stimme optimal entfaltet. (In der Regel in Nähe der Raummitte)
  2. Sucht nach einer Mikrofonpositionierung, die am besten zur Stimme und zum Song passt.
  3. Stellt den Gain am Preamp/Audiointerface ein: Nicht zu laut und niemals lauter als -6dB an den höchsten Peaks.
  4. Erstellt einen Kopfhörermix, mit dem sich der Sänger wohlfühlt.
  5. Viel Spaß beim Aufnehmen und Abmischen Eurer erstklassigen Gesangsaufnahme!

Seitdem ich diese Schritte beachte, klingen meine Aufnahmen direkt professioneller und benötigen nur noch minimale Nachbearbeitung! Probiert es aus und lasst mich in den Kommentaren wissen, ob Ihr in eurem Raum und mit eurem Equipment auch einen solchen Sweetspot finden konntet.

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Mixing Recording

Warmer Sound – auch digital?

Jeder kennt den oft verpönten kalten digitalen Klang oder hat schon von analoger Wärme gehört. Doch gibt es wirklich Geräte, Plugins oder Bearbeitungsschritte, die einen Sound wärmer klingen lassen können? Versuchen wir mal ein bisschen Klarheit in dieses Thema zu bringen.

Was bedeutet warmer Sound?

Nun am Ende hat jeder seine eigene Definition von warmem, kaltem oder gutem Sound, aber doch gibt es diverse Gründe und auch Audio-Phänomene, die von vielen als wärmer klingend empfunden werden:

Gedämpfte Höhen

Lange Kabelstrecken, viele analoge Bauteile und Schaltungen, die durchflaufen werden – all das kann in der Summe einen deutlichen, technisch negativen Einfluss auf hohe und auch tiefe Frequenzen haben. Dieser Verlust von Bässen und Höhen rückt wiederum den Hauptbereich vieler Instrumente in den Fokus und lässt diese sanfter und natürlicher erklingen.

Moderne Schaltungen und digitale Aufnahmemedien sind jedoch gebaut um möglichst linear und unverfälscht zu klingen – daher kann das Mikrofon, welches durch analoge Channelstrips gejagt wurde und dann auf Tape aufgenommen wurde deutlich anders/wärmer klingen, als wenn es direkt an ein Audiointerface angeschlossen und auf einer Festplatte aufgezeichnet wird.

Digitale Aufnahmen können so im ersten Moment ein wenig nüchtern oder kühl klingen, aber man hat trotzdem einen guten Ausgangspunkt um den Klang noch wärmer zu machen:

Harmonische Verzerrung

Viele analoge Geräte erzeugen bei zu hohem Pegel oder auch gezielt Unlinearitäten – Es entstehen zusätzliche Obertöne im Material, welche den Sound deutlich voller oder mit anderen Worten wärmer, aber gleichzeitig auch präsenter erscheinen lassen. Die Preamps von deinem Audiointerface erzeugen solche Obertöne nicht, aber keine Panik: Du kannst sie dir in der Nachbearbeitung mit Saturation, Distortion oder Tape-Emulationen auch auf digitaler Ebene holen.

Kompressoren und Equalizer

In der analogen Welt war es durchaus üblich ein Mikrofonsignal schon vor dem Aufnahmemedium/Band mit EQ und Kompressor zu bearbeiten. Einerseits um die geringe Dynamik besser auszunutzen und andererseits um den Höhenverlust vorher durch einen Boost zu kompensieren. Im digitalen Recording ist all das nicht mehr nötig, da es kaum Höhenverlust gibt und die Dynamik von über 140db bei 24Bit so hoch ist, dass eine Komprimierung vor der Aufnahme nicht nötig ist. Die Kombination aus EQ und Kompressor vor dem Band erzeugt natürlich wieder Obertöne und Unlinearitäten, welche uns als warm erscheinen, aber lasst Euch nicht Eure cleanen und linearen Aufnahmegeräte schlecht reden – Früher haben sich die Ingenieure nach solchen Geräten gesähnt, da es ihnen die Arbeit deutlich einfacher gemacht hätte.

Wenn Ihr trotzdem einen wärmeren Klang such, dann simuliert doch mal digital den eben beschriebenen Prozess – Kompressor->EQ->Tonbandsumulation

Das wird Eure Aufnahmen deutlich realistischer und analoger bzw. wärmer klingen lassen.

Ungleichmäßigkeiten

Tonband und auch andere Geräte haben diverse Eigenheiten, die es so in der digitalen Welt nicht gibt: Gleichlaufschwankungen, Rauschen, Netzbrummen, alternde Bauteile… Keine 2 Kanäle eines Mischults klingen gleich. Dies führt wieder zu einem Hauch mehr Realismus und wärme im Sound. Nachbilden kann man dies durch Modulation, Automation und Einsetzen analoger Emulationen sehr gut auch in der DAW. Man muss sich nur in alte Arbeitsweisen und Limitierungen analoger Geräte hineinversetzen und schon öffnet sich eine neue Welt voller Möglichkeiten.

Warum klingen meine Aufnahmen nicht so warm wie ich es gern hätte?

Es liegt daran, dass Du viele Faktoren, die früher in einer Aufnahmekette sein mussten gar nicht mehr benötigst oder beeinflussen kannst und das ist völlig ok so. Was Du beeinflussen kannst ist Performance, Raum, Mikrofon, Positionierung und Gainstaiging und das kann in der richtigen Kombination auch mit günstigem Equipment einen ordentlichen und durchaus warmen Sound erzeugen. Die restlichen 20% holst Du dir in der Nachbearbeitung indem Du die oben genannten Dinge digital in deiner DAW versuchst nachzubilden.

Ich hoffe ich konnte Euch ein bisschen die Angst vor der digitalen Kälte nehmen und Möglichkeiten gezeigt diese zu umgehen. Lasst mich in den Kommentaren wissen, ob Euch dieses Problem auch schon lönger beschäftigt und Euch diese Denkweise eventuell eine neue Perspektive auf das Thema geben konnte. Detailliertere Techniken um Sounds wärmer zu machen und zu verschönern, gibt es in kommenden Blogeinträgen.